Neurologische Poliklinik und Spezialambulanzen

Ambulanz für Tiefe Hirnstimulation

Leiter

PD Dr. med. René Reese

Facharzt für Neurologie, Qualitätsnachweis Botulinumtoxintherapie, Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung „Neurologie“   

Oberarzt der Klinik


Die Tiefe Hirnstimulation ist ein operativ- therapeutisches Verfahren, das in Deutschland im Bereich der Bewegungsstörungen für die Erkrankungen Morbus Parkinson, Essentieller Tremor und fokale, segmentale und generalisierte Dystonien zugelassen ist. Die Kosten der Behandlung werden von den gesetzlichen und auch privaten Krankenversicherungen übernommen. Das gesamte Behandlungsspektrum der Tiefen Hirnstimulation von der individuellen Eignungsprüfung mit Indikationsstellung und Beratung zur individuell zu erwartenden Wirkweise über die operative Implantation (in Zusammenarbeit mit der Abteilung Neurochirurgie der Klinik für Chirurgie der Universitätsmedizin Rostock, Dr. med. Thomas Kriesen) bis zur regelmäßigen Nachsorge und Langzeitbetreuung wird über unsere Klinik angeboten.

Gleichermaßen bedeutsam ist für uns die wissenschaftliche Arbeit zur weiteren Optimierung der Therapie der Tiefen Hirnstimulation. Zu aktuellen Forschungsprojekten können Sie sich auf der Seite unserer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe "Bewegungsstörungen und Tiefe Hirnstimulation" informieren. 

In der Ambulanz für Tiefe Hirnstimulation werden zum einen Patienten behandelt, die bereits ein Hirnschrittmachersystem tragen (regelmäßige Nachsorge), zum anderen ist diese Ambulanz auch zur individuellen Beratung vor einer möglichen Behandlung mit der Tiefen Hirnstimulation gedacht. Die Überweisung erfolgt von einer / einem niedergelassenen Neurologin / Neurologen.  Für die individuelle Eignungsprüfung dieser Therapie und Evaluation des zu erwartenden Therapieeffekts ist danach gemeinhin aber noch ein stationärer Aufenthalt (etwa 1 Woche) notwendig, der auch über unsere Ambulanz geplant werden kann.


Unser Angebot

  • Indikationsprüfung zur tiefen Hirnstimulation in Kooperation mit der Klinik für Neurochirurgie (Dr. med. Thomas Kriesen)

  • Nachbetreuung von Patienten mit einer Tiefen Hirnstimulation 

  • Botulinumtoxintherapie bei Patienten mit Dystonien im Bereich des Gesichts und des Halses und bei vermehrtem Speichelfluss z.B. bei der Parkinson-Krankheit


Informationen zu den angebotenen Therapiemöglichkeiten

Die Tiefe Hirnstimulation

Die Tiefe Hirnstimulation bezeichnet die direkte elektrische Beeinflussung von Nervenzellstrukturen in der Tiefe des Gehirns über eine an den Zielort chirurgisch-operativ eingeführte Stimulationselektrode. Hierdurch können akut und / oder mit zeitlicher Verzögerung, immer aber reversibel (durch Abschalten der Stimulation), neurologische Bewegungsstörungen vornehmlich bezüglich ihrer motorischen Symptome gelindert werden. In Deutschland zugelassen zur Behandlung mittels der Tiefen Hirnstimulation sind unter den Bewegungsstörungen der Morbus Parkinson, die primären fokalen, segmentalen und generalisierten Dystonien und der Essentielle Tremor.

Im Rahmen eines operativen Eingriffs werden zwei Elektroden (je Gehirnhälfte eine) hochpräzise in zur Behandlung der jeweiligen Bewegungsstörung relevante Gebiete in der Tiefe des Gehirns eingesetzt, welche mit einem Kabel unter der Haut verbunden werden und hinter dem Ohr geführt unterhalb des Schlüsselbeins dann zum eigentlichen Hirnschrittmacher gelegt werden. Während der Operation können Wirkung und mögliche Nebenwirkungen der Stimulation über Teststimulationen mit Testelektroden evaluiert werden und ggf. der individuell vor der Operation geplante Zielpunkt im Gehirn (MRT-Bildgebung) nochmals relevant angepasst werden, um eine optimale Stimulationswirkung ohne Nebenwirkungen zu erreichen. Dies geschieht unter Umständen in einer Wachphase des Patienten während der Operation, welche durch eine örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) trotzdem vollkommen schmerzlos ist. Dieser Hirnschrittmacher wird dann nach der Operation den individuellen Symptomen des Patienten entsprechend vom Arzt programmiert. Der Aufenthalt im Krankenhaus für die Operation und erste Nachsorge mit Programmierung der Schrittmacherfunktion dauert etwa 14 Tage. Hiernach werden die meisten Patienten nach Hause entlassen, aber auch eine anschließende Rehabilitationsbehandlung ist möglich, aber nur im Einzelfall nötig. Zur Entlassung wird bereits ein Anschlusstermin in unserer Ambulanz für Tiefe Hirnstimulation vereinbart, weitere Termine dann je nach Bedarf. Es dauert gemeinhin etwa bis zu drei Monate, bis eine erst einmal definitive Einstellung des Hirnschrittmachers erreicht ist und die Medikamente angepasst sind. Die Hirnschrittmachertherapie ist eine sogenannte symptomatische Therapie, das heisst, es werden Symptome der Erkrankung behandelt, nicht aber ein mögliches Fortschreiten der Erkrankung verhindert oder gar eine Heilung erreicht. Für den Morbus Parkinson gilt, dass die beste Wirkung der Stimulation nicht besser sein kann, als die beste Medikamentenwirkung, das aber konstant über 24h des Tages im Idealfall ohne relevante Wirkschwankungen. Symptome ohne Besserung durch die Parkinson-Medikamente können durch den Hirnschrittmacher gemeinhin nicht besser werden mit Ausnahme des Parkinson-Tremors, welcher durch die Tiefe Hirnstimulation sehr viel besser behandelt ist, als durch Medikamente.

Ob für Sie die Therapie der Tiefen Hirnstimulation in Frage kommt, welche Wirkung Sie erwarten können und welche Risiken es gibt, können im Rahmen eines ambulanten Termins in unseren Sprechstunden besprochen werden.

Die Botulinumtoxinbehandlung

Dystonien oder dystone Syndrome treten bei vielen neurologischen Erkrankungen, wie dem Parkinson-Syndrom, aber auch als eigenständiges klinisches Störungsbild auf. Sind die Dystonien, also unwillkürliche, wiederholte Muskelverkrampfungen, auf wenige Muskeln und am Körper örtlich begrenzt (z.B. Torticollis spasmodicus (Schiefhals), Blepharospasmus (Lidkrampf), kann eine Therapie mit Botulinumtoxin sinnvoll sein. Zusätzlich können unwillkürliche Muskelzuckungen im Gesicht bei  einem Hemispasmus fazialis mit Botulinumtoxin gelindert werden und auch eine übermäßige Speichelproduktion (z.B. bei vermindertem Schlucken bei der Parkinson-Krankheit) durch Injektion direkt in die Ohr- und Kieferspeicheldrüsen.

Hierzu wird das Medikament mit einer feinen Nadel (wie bei einer Impfung) direkt in die betroffenen Muskeln (oder Speicheldrüsen) gespritzt und eine Beruhigung der übermäßigen Muskelaktivität (oder Speichelproduktion) durch eine teilweise Lähmung erreicht. Die Wirkung setzt etwa 7-10 Tage nach Injektion ein, erreicht nach etwa 4 Wochen die volle Wirkstärke und nimmt im Zeitraum von drei Monaten wieder deutlich an Wirkung ab, so dass gemeinhin nach dieser Zeit jeweils auch wieder eine erneute Injektion erfolgen muss.

Die Therapie, das heisst welche Muskeln mit welcher Menge des Medikaments behandelt werden, muss individuell festgelegt werden. Es braucht bei Beginn der Therapie gemeinhin bis zu drei Spritzentermine (also insgesamt 9-12 Monate), bis eine stabile Behandlung erreicht ist. Die Botulinumtoxintherapie ist eine vergleichsweise nebenwirkungsarme Therapie mit selten kleinen Blutergüssen an der Einstichstelle. Die Gefahr einer übermäßigen Lähmung der Muskeln wird durch den Beginn der Therapie mit einer nur kleinen Dosis und dann individuellen Anpassung über die folgenden Termine vermindert, kann aber nicht immer ganz vermieden werden. Alle diese Nebenwirkungen wären dann aber auch nach drei Monaten wieder vergangen. Langzeitschäden durch die Botulinumtoxintherapie auf übrige Organe des Körpers sind bei ordnungsgemäßer Anwendung nicht zu erwarten.